Sonntag, 24. Februar 2008

Kino: PS: Ich liebe dich (von Realist)

Mein Fehler war wohl, anzunehmen, dass es sich um eine romantische Komödie - und damit zweifelsfrei um eines meiner Lieblingsgenres - handelt. Denn: Es handelt sich vielmehr um ein romantisches Drama. Das muss aber wohl so sein, denn immerhin haben wir ja mit Hilary Swank eine zweifache Oscargewinnerin in der Hauptrolle (Das habe ich im Vorfeld auch immer als Legitimation vorgeschoben, wenn es darum ging, jemanden begreiflich zu machen, warum ich mir den Film überhaupt ansehen will).

Die Handlung ist jedenfalls die folgende: Holly und Gerry sind verheiratet. Zumindest bis nach dem Vorspann, denn dann ist Holly verwitwet. Ein cleveres Kerlchen und treu sorgender Gatte, wie Gerry war, hat er aber vorausgesehen, dass seine Liebste fortan in eine Lebenskrise verfällt, und bereits im Vorfeld einen Plan ersonnen. Er lässt ihr, posthum und auf verschiedenen Wegen, täglich Briefe zukommen, in denen er ihr Aufgaben stellt, um sie wieder ins Leben zurückzuführen. Das reicht vom Kaufen einer Nachttischlampe über einen Karaokeauftritt bis zum Urlaub in Irland - seiner Heimat, wo sie auch gleich - oh Wunder - zufällig mit einem Jugendfreund ihres Verblichenen im Bett landet. Tja, wenn man erst mal seinen Typ gefunden hat... Oder sagen wir: Was sich Hollywood so unter einem wackeren Iren vorstellt. Beispiel: Bei der Beerdigung, die im Irish Pub von Hollies Mutter stattfindet (und mir ist bis heute nicht klar, warum sie einen hat, denn immerhin war ja nur der - verhasste - Schwiegersohn Ire), trinken zum Abschied alle Gäste ein Glas "Jameson" aus, bevor sie es auf die Urne stellen. Einen blended Whiskey? Also wirklich, ein echter Ire wäre aus seiner Urne gerieselt!

Unterm Strich war der Film nicht wirklich lustig, nicht wirklich traurig und eigentlich auch nicht wirklich romantisch. Nur wirklich lang. Das Ende ist zwar (dankenswerterweise) halb-offen, ein "alle können wieder lachen, kommen unter die Haube, werden Schwanger und sind ja überhaupt sowas von glücklich und erfolgreich" zeichnet sich allerdings ab, wie die Druckwelle kurz nach dem atomaren Lichtblitz.

Was mich allerdings am meisten genervt hat, ist, dass der Drehbuchautor (so wie fast alle seine Kollegen) wohl ein Fan von Paulo Coelho ist. Die Probleme praktisch aller Akteure im Film liessen sich nach der Philosophie lösen: Lebe deinen Traum! Was bekanntlich jeden zum Looser macht, der nicht glücklich ist, er ist ja selber schuld. Und als bekennender Traumfreier (oh, ausser "World Peace" natürlich) fühle ich mich da immer auf den Schlips getreten.

Das einzige, was mich noch mehr aufregt als Paulo Coelho, ist allerdings ein Filmvorführer der sich einen Dreck um sein Publikum schert, bzw. sich, in dem Fall, wohl gedacht hat, dass die Hausfrauen, die da hocken, es ohnehin nicht merken, wenn er Mist baut. Aber nicht mit mir! Als Rächer aller weiblichen Mittvierziger habe ich noch gestern folgende Mail verfasst:

Hallo ihr Damen und Herren THX-zertifizierte Digitalprojezierer!

Einen Film ("PS: Ich liebe dich", 23.02, 22:45 Uhr), der ein Seitenverhältnis von 1:1,85 hat, auf einer Scope-Leinwand zu zeigen, auf dass man oben keine Köpfe sieht, dafür aber unten die Texteinblendungen nicht lesen kann, zeugt schon wirklich von Klasse! Glückwunsch!

Achja, das Fazit: In Anbetracht der seufzenden Mädels rings um mich herum, hat der Film wohl sein Publikum. Ich gehöre allerdings nicht dazu.

Link zur offiziellen Homepage

1 Kommentar:

Oekonom hat gesagt…

Was sollen sie sonst trinken?
Der einzige Single malt Irlands ist nunmal der Bushmills Single Malt. Aber über den kann man streiten...
:-)