Sonntag, 6. April 2008

Leben/Intern: Realist bei Twitxr (von Realist)

Ich hab's schon mal gesagt, aber ich sag's wieder: Twitter war gestern, Microblogging braucht Fotos! Deswegen gibt's Realist ab sofort mit einem "Foto-Microblog" auf Twitxr!

Unter: http://twitxr.com/realist

Das ganze kann man natürlich als RSS abonnieren - oder noch besser: Selber einen Microblog erzeugen und mir "folgen".

Den jeweils aktuellsten Eintrag sieht man auch hier, in der rechten Spalte des Blogs. Achja, wem das "Prinzip Twitter" generell fremd, der aber des englischen mächtig ist, dem sei dieses Video empfohlen. Alle anderen vielleicht hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Twitter

PS: Das Ganze geht auch mobil, unter http://m.twitxr.com

PPS: Es gibt einen tollen iPhone-Client zum Fotografieren und Bloggen

PPPS: Das Ganze wird auch an meinen Tweet bei Twitter weitergeleitet - nur halt ohne Bilder: http://twitter.com/realist_nbg

Leben: Staatlich gefördertes Zocken ... (von Neoliberalist)

… oder wie die Beamten dieser Republik (mal wieder) willkürlich handeln

Was sind eigentlich die ureigensten Aufgaben unserer Landesbanken? Unter www.dsgv.de findet man folgende, äußerst aufschlussreiche Beschreibung:
„Die Landesbanken verfügen über ein breites Leistungsangebot und erfüllen öffentliche Aufgaben. Die Landesbanken fokussieren sich auf ihre Kundenbeziehungen, Aufgaben im Groß- und Firmenkundengeschäft zu übernehmen, sind Partner der im Retail-Geschäft tätigen Sparkassen. Schwerpunkt der Landesbanken ist das Geschäft mit mittelständischen Firmenkunden der Heimatregion.“

Gehen wir das großzügige Angebots-Spektrum der Reihe nach durch: Da wäre als erstes ein „breites Leistungsangebot“. Stimmt! Vom Sparbuch für meine geliebte Oma bis zu amerikanischen Anleihen auf zweitklassige Hypotheken finden wir eigentlich alles. Moment mal! „Amerikanischen Anleihen auf zweitklassige Hypotheken“?! Klingt fast als wären unsere kleinen Vorstadt-Banker über das selbstgesteckte Ziel hinausgeschossen. Muss eine Landesbank wirklich in Amerika mit hochriskanten Hypotheken zocken?
Aber wenden wir uns den „öffentlichen Aufgaben“ zu. Hier bieten sich 2 Erklärungsalternativen an: Entweder sollen die deutschen Staats-Banker der Öffentlichkeit in den USA helfen … oder, wenn dem nicht so ist, Posten und Pöstchen für höhere Beamte und Politiker zur Verfügung stellen. Die wollen ja schließlich auch mal Banker spielen. Apropos „spielen“, damit wären wir wieder in den USA. Ich lasse mich zu leicht von Peanuts ablenken. Zurück zu den „öffentliche Aufgaben“: Im Aufsichtsrat der IKB saß mal Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und sitzt momentan sein Ministerialdirektor Jörg Asmussen. Woher haben unsere ach so viel beschäftigten Politiker denn die ganze Zeit Kontrollfunktionen in einem Aufsichtsratsgremium wahrzunehmen? (Aber das ist ein neues Thema, dem ich mich später in aller Tiefe widmen will.)
Ein weiterer „Schwerpunkt der Landesbanken ist das Geschäft mit mittelständischen Firmenkunden“: ich kenne keinen Unternehmer, der sich nicht über die Vergabe-Politik von Krediten ärgert. Ich habe bewusst „Vergabe-Politik“ gewählt, denn mit fachmännischem Kreditgeschäft, hat das wenig zu tun. Zuerst bringt man alle Nachweise der Umsätze und Gewinne der letzten, na ja, sagen wir mal konservativ geschätzt 150 Jahre. Das reicht aber nicht. „Hätten Sie vielleicht noch 2 bis 3 kleine Sicherheiten für uns? - Schmuck? Auto? Nein, nein, wir dachten da eher an Immobilien.“ Dann schleppt man die Immobilien zur Bank. Geschäftsidee? Businessplan? Ausblick in die Zukunft? Fehlanzeige. Interessiert eine Bank nicht die Bohne. So, nachdem nun alles bei der Bank ist, kann man auch noch die Unterhosen ausziehen. Pardon, muss man noch die Unterhosen ausziehen! Die Banken wollen ja schließlich auf Nummer sicher gehen. Wir sind ja hier nicht in den USA ...
Apropos USA: Wäre da noch der letzte Teil des Nachsatzes: … der Heimatregion! Wusste gar nicht, das wir „Double-U“ und seine Range inzwischen eingemeindet haben – aber unter Bankern sagt man eher: Wir sind in „Double-U“ long.
In diesem Sinne wünsche ich allen Ex-Vorständen und -Aufsichtsräten unserer Landesbanken sonnige Tage mit den fetten Abfindungen und Renten (z. B. Abfindung_1 oder Abfindung_2). Wer so viel vom Geschäft versteht, hat sich das redlich verdient, oder?
Euer Neoliberalist

PS: Die IKB-Rettung hat den Steuerzahler bisher über 7 Milliarden Euro gekostet: IKB_Rettung. Wer übernimmt meine Miesen auf der Bank?

Intern: Zuwachs (von Realist)

Und wie das so ist, wenn man zu zweit ist und sich ganz toll lieb hat: Es dauert nicht lange und man ist zu dritt! In diesem Sinne begrüßen wir ab sofort unseren (selbsternannten) Volontär: Neoliberalist

DVD: Machtlos (von Realist)

Die Rahmenhandlung von "Machtlos" ist eigentlich schnell erzählt: Nach einem Bombenattentat lässt die CIA einen ägyptischstämmigen Amerikaner, aufgrund fadenscheiniger Verdachtsmomente, spurlos verschwinden und in einem marokkanischen Gefängnis foltern.

Das Ganze wird erzählt aus der Perspektive des "Häftlings" und seiner amerikanischen Frau (Reese Witherspoon), die versucht, über einen befreundeten Politiker, das Verschwinden aufzuklären. Aus der Sicht eines jungen CIA-Mitarbeiters (Jake Gyllenhaal), der - als Notbesetzung - die Verhöre vor Ort überwachen soll, und der des Verantwortlichen in Marokko, der auf der einen Seite zwar wegen seiner konservativen Wertvorstellungen Probleme mit seiner Familie hat, aber gleichzeitig ganz oben auf der Abschussliste der Fundamentalisten steht, und der Perspektive von jungen Mitgliedern eben dieser Islamistischen Gruppe.

Im ersten Moment kam mir der Film, von dem ich im Vorfeld so gar nichts wusste, und der ja eigentlich klar dem Lager "politischer Thriller/Drama" zugeordnet ist, als etwas zu starker Tobak nach meiner 3-wöchigen Filmpause vor. Nach dem Film muss man dann aber doch erkennen: Dem war nicht so.

Warum? Der Film schwimmt einfach zu undifferenziert auf der populären "Anti-Bush-Welle". Nicht, das wir uns falsch verstehen: Die aktuellen Verhältnisse ala Guantanamo sind meiner Meinung nach falsch, und gehören angeprangert. "Machtlos" bleibt aber leider meist auf dem Niveau eines Popcorn-Dramas. Das Leben und die Problematik ist eben (leider) beileibe nicht so einfach und schwarz/weiss, wie die Handlung des Films und die Geisteshaltung der meisten Protagonisten.

Nicht jeder Verdächtige, der einen arabischen Hintergrund hat, ist per Definition unschuldig, nur weil es so schön liberal ist. Nicht jeder Geheimdienstmann oder Politiker - egal ob in Marokko oder den USA - ist per Definition dumm und von Hass und Machterhalt getrieben (der Held natürlich ausgeschlossen). Nicht jede Massnahme des Westens - die über Ducken hinausgeht - ist dafür verantwortlich, dass in der arabischen Welt noch mehr Hass gesät wird. Nicht jeder "Islamist" wurde durch den Westen geschaffen - nicht jeder Täter ist ein Opfer.

Nein, der Film war nicht schlecht. Er war bis in die Nebenrollen gut besetzt (z.B. Meryl Streep), er hat einen interessanten "Zeit-Twist" kurz vor Schluss, und ich habe mich durchaus nicht gelangweilt - er ist mir nur einseitig bzw. oberflächlich um als ernsthafter "Problemfilm" durchzugehen. Aber hey: War das bei "Syriana" anders? War der wirklich tiefsinniger als, sagen wir "Operation: Kingdom"?

Fazit: Durchaus sehenswerter, wenn auch nicht sonderlich tiefsinniger, Politthriller.

Link zur offiziellen Seite und zum (schlechten) Trailer, der es tatsächlich in 2 Minuten schafft, den Film als Popcorndrama zu outen.

Kabarett: Philipp Weber: Honeymoon Massaker (von Optimist)

Philipp Weber ist selbsternannter Jungkabarettist, was mit 33 Jahren wohl so in Ordnung geht, und neben seinen Solo-Programmen auch im Trio "Erstes Deutsches Zwangsensemble" zusammen mit Matthias Tretter und Claus von Wagner auf der Bühne unterwegs.

In "Honeymoon Massaker" setzt Weber an der Stelle an, die man ihm durchaus auch im wahren Leben zutrauen würde: 33, unverheiratet, um ihn herum eine Hochzeit nach der anderen und die Gesellschaft fordert ihn in seiner Pflicht, sich als promovierter Reproduktionsbiologe doch gefälligst auch selbst zu vermehren. Ulla, seine Freundin, ist da ganz und gar gleicher Meinung, nur die Argumentationskette dagegen, die wird den Abend füllen!
Es folgen gängige und wahre Schreckensbilder über Hochzeiten ("Von allen Wegen, eine Liebesbeziehung zu beenden, der mit Abstand teuerste!"), Siedler-Abende in der Neubausiedlung, Kinder (tiefe Augenringe der bereits Eltern gewordenen Freunde) und dem unweigerlichen Dilemma einer jungen Frau: Gibt man das Kind in die Krippe, ist man die Rabenmutter, widmet man sich der Erziehung, wird man als Eva Hermann verschrien und bekommt im Anschluss keinen Job mehr und bekommt man keine Kinder, ist man die Superegoistin. Alles nicht leicht.
So schlägt sich Weber durch die Argumente und die bösen Umstände bis hin zu einem Ende, das man so nicht erwartet hätte. Es tut weh, hier nicht mehr verraten zu dürfen, denn es ist perfekt gemacht.

Wer Philipp noch nicht kennt, dem sei gesagt: Der Mann ist präsent! Mit einer unglaublichen Quirligkeit und festem Blick ins Publikum hat man jederzeit das Gefühl, der Mann ist mit 100% dabei. Das merkt man auch dann, wenn mal was schief geht (Mikrofon knackt mehrfach laut): Der Zuschauer wird aus der Story gerissen, ist plötzlich nüchtern und nach weniger als einer Minute ist der Rausch der Story wieder voll da. Das dauert bei etwas verkopfteren Kollegen mit weniger Kontakt zum Publikum dann doch deutlich länger.
Handwerklich bleiben ebenfalls keine Wünsche offen, jeder Gag ist gut vorbereitet, fügt sich in die Story und ist fast durchgehend unverbraucht und witzig. Das Programm hat keine schwachen Momente oder unnötige Längen und ist damit kabarettistische Unterhaltung erster Klasse.
Das im Publikum in der ersten Reihe "Melanie" hochschwanger mit ihren Freundinnen gerade auf Junggesellenabschied unterwegs war, hat der Vorstellung natürlich ganz und gar nicht geschadet.

Fazit: Ein großes Talent mit einem tollen Programm. Sehr zum Besuch empfohlen!